Zen und die Kunst mein Leben zu führen

Willkommen in meinem Leben. Es ist nicht immer einfach mit mir, aber wem sage ich das ...

28.6.05

Online Grimme 2005

Außergewöhnliche Sites.
Besonders gefallen haben mir (natürlich) historische Dokumentationen:
Toll auch die Kinderseiten

Labels: , ,

1.6.05

Servus und Danke

Heute habe ich einen Freund im Stich gelassen - ich fühle mich zumindest so.

Wir haben uns kaum unterhalten und doch kannten wir uns seit über 30 Jahren. Auch wenn ich ihn nur selten beachtet habe, so war er doch immer da. Wir sind gemeinsam groß geworden und er hat meinen Kinder beim Spielen Schatten gespendet. Gut sah er aus und gesund war er. Und er hat, wie jedes Frühjahr den Bienen Nahrung gegeben. Ich meine den Baum vor unserem Garten.

Heute haben sie ihn umgehaun. Die Kettensäge hat sich ein paar mal verklemmt aber nach drei Minuten war's vorbei. Da lag er auf der Straße. Schon waren die Äste ab, der Stamm zerschnitten und alles weggeschafft. Eine gelbe Kehrmaschine ließ noch die letzten Blätter verschwinden. Was bleibt ist der Stumpf und mein schlechtes Gefühl. Heike hatte Tränen in den Augen.

Ein schlechtes Gefühl, weil ich ihn vermissen werde und weil ich nichts unternommen habe. Ich habe noch nicht einmal Fragen gestellt. Die Stadt hat der Aktion wohl zugestimmt und die Arbeiter haben sich sicher gefreut, dass keiner "Ärger" gemacht hat.

Wir haben uns nicht einmal verabschiedet. Dabei war das Ende absehbar. Sie haben alle "alten" Bäume in der Straße gefällt. Schon seit Tagen. Die Nachbarn freuen sich, haben sogar teilweise etwas nachgeholfen. Sie freuen sich, weil die alten Bäume viel Laub und viel Arbeit gemacht haben.

Vielleicht muss man das alles realtiv sehen. Wir haben doch selbst erst vor Kurzem die alte (und vernachlässigte) Thujen-Hecke gegen eine junge (und noch recht dünne) Buchenhecke ersetzt. In Brasilien wird der Regenwald wie nie zuvor abgeholzt und in Afrika sterben die Menschen wie Fliegen an Hunger und AIDS. Und ich jammere wegen eines Baums? Wegen noch nicht einmal heimischen Scheinakazien?

Hat das was mit Heimat zu tun? Mit zuhause sein? Mit den Dingen, die man mit dem gewohnten Blick aus den Fenster verbindet? Hat es mit unserer mitteleuropäischen kulturellen Prägung als ökologisch verkrampfte Erbengenerations-Weicheier? Mit Tabaluga und Julia 'Butterfly' Hill?

Ich weiß es nicht. Lucy jedenfalls meinte, es kommen neue Bäume. Glitzerbäume. Schon bald. Wir werden ja sehen, was die Stadt macht. Das mit dem Glitzern bekommen wir selbst hin. Nur das mit dem Schatten und dem guten Gefühl wird so schnell nicht nachwachsen.