Zen und die Kunst mein Leben zu führen

Willkommen in meinem Leben. Es ist nicht immer einfach mit mir, aber wem sage ich das ...

19.1.05

Der kritische Kunde (d.h. notorische Nörgler) in mir

An dieser Stelle war dereinst ein ziemlich langer Bericht, in dem ich unsere Erfahrungen mit unserem (sehr teuren) Wasserbett beschrieb, das ich bei einem Händler in unserer Nähe gekauft hatte. Leider war dieses Bett von Anfang an defekt (juristisch korrekt heißt das: mit Mängeln). Mehr als zwei Jahre versuchte ich, den Händler oder auch den Hersteller dazu zu bewegen, das Bett auszutauschen oder wenigstens in Augenschein zu nehmen. Leider musste ich erst vor Gericht ziehen um letztlich zu bekommen, was ich wollte: Ein Wasserbett, das einen nicht um dem Schlaf bringt.

Hier nun ein paar Erfahrungen und Tipps, die ich in der Zeit zwischen Sommer 2002 und Herbst 2004 zusammengetragen habe:

Zunächst: Glauben Sie bitte nicht jede positive Meinung in Foren und auf "Verbraucherportalen" wie Ciao, Dooyoo oder Yopi. Es ist übliche PR-Praxis solche Einträge zu faken. Fragen Sie besser Freunde oder Bekannte, die sich ein Wasserbett gekauft haben, nach deren Erfahrungen. Machen Sie sich die Mühe und lassen sich von wenigsten drei Händlern beraten. Sie werden staunen, was Sie über Wasserbetten lernen und mehr noch, was sie über Wasserbettenhändler lernen. Und falls Ihr Händler nebenher auch noch Kamine und Saunakabinen verkauft, dann ... ach ich werde gehässig.

Tipps für den Kauf eines Wasserbetts:
  • Ein hochwertiges Wasserbett (Doppelbett) muss (inkl. Schubladen-Sockel) nicht mehr als 2.500 Euro kosten. Wer mehr hinlegt, bezahlt sehr wahrscheinlich zuviel (So wie ich. Heute bin ich auch schlauer).
  • Ein Wasserbett muss nicht schwabbeln. Ja, sie können sogar Wassermatratzen kaufen, die in der Festigkeit einer Federkernmatratze ähneln.
  • Jedes Wasserbett hat eine bestimmte Härte bzw. Beruhigung, die man beim Kauf auswählen muss. Ausgehend von dieser Härte lassen sich die meisten Wasserbetten in engen Grenzen nachjustieren. Werden diese Grenzen über- bzw. unterschritten bekommt das Bett entweder einen Bauch oder man hängt durch. Beides ist unangenehm.
  • Es gibt Hersteller, die behaupten, man könne ihr Wasserbett nachträglich noch "70% bis zu 100%" beruhigen. Diese zugesicherte Eigenschaft lässt sich aber schwer einfordern, denn es stellt sich die Frage, was 70% und mehr noch 100% Beruhigung tatsächlich bedeutet. Ist 100% "hart wie ein Brett" oder "hart, aber flexibel wie feiner Sand" oder "flexibel aber hart wie ein Futon"?
  • Jedes Wasserbett kann hart wie ein Brett gemacht werden. Dazu lässt man einfach das gesamte Wasser aus. So einfach ist das.
  • Das Aufstellen des Wasserbettes ist Aufgabe des Händlers. Auch bei einem späteren Umzug müssen Sie wahrscheinlich den Händler beauftragen, wenn Sie Ihre Garantie behalten wollen. Das kann schnell ein paar hundert Euro kosten.
  • Es gibt Händler, die kommen mehrere Male zu Ihnen nach Hause um das Wasserbett nachzustellen, wenn Sie nicht sofort zufrieden sind.
  • Es gibt Händler, die nehmen das Bett auch wieder mit, wenn sie nach 90 Tagen (!) noch immer nicht zufrieden sind.
  • Achten Sie auf die Folgekosten: Manche Betten müssen regelmäßig gereinigt werden. Jedes Wasserbett braucht regelmäßig einen Conditioner für das Wasser. Dieser ist zumeist herstellerabhängig. Und vom regelmäßigen Einfüllen wird häufig auch die Langzeitgarantie abhängig gemacht (Nachweis!).
Für Ihr Wasserbett brauchen Sie:
  • neue Bettücher (die alten sind garantiert zu klein und gehen nicht über den massiven Rand)
  • neue Bettdecken, z.B. aus Mikrofaser (auch wenn das nach statischer Aufladung und Putztuch klingt. Die alten Decken sind garantiert zu warm)
  • evtl. neue Kissen (da sie mehr im Wasserbett liegen, als auf dem Bett, könnte das alte Kissen zu hoch sein. Ich habe mir für 5 Euro ein flaches Kissen bei IKEA gekauft).
  • einen Eimer und ein ca. 1 Meter langes Schlauchstück, wenn Sie selbst Wasser ein- und auslassen wollen/müssen
  • eine Zeitschaltuhr, wenn Sie nachts ohne Elektrosmog schlafen wollen (ich habe es nicht getestet, aber angeblich hält das Wasserbett die Wärme bis zum nächsten Morgen)
  • der Stromverbrauch eines Bettes liegt bei ca. 60 kWSt pro Monat. Kosten ca. 10 Euro.
Noch etwas: Ich halte die Theorie "In einem zu kalten Wasserbett schwitzt man, weil der Körper versucht, das Bett zu erwärmen." für haarsträubenden Schwachsinn. Das jedenfalls wollte mir mein Händler einreden. Wer im Wasserbett schwitzt, hat wahrscheinlich ...
  • die falsche Decke (siehe oben)
  • die Heizung zu hoch gedreht (ich schlafe derzeit bei 27° und bin zufrieden)
  • ein zu weiches Wasserbett (d.h. in meinen Augen: das falsche Wasserbett)
  • gerade Sex

  • oder defekte Wassermatratzen (so war's bei uns)
Weil wir gerade beim Thema sind. Sex und Wasserbett: Auch wir haben vom Kick auf der Welle nichts gemerkt - im Gegenteil. Aber das macht ja nix. Wir sind ja jetzt beide über Dreißig und haben schon zwei Kinder.

Schwangere und Wasserbetten:
  • Heike fand das teilweise Einsinken in das Wasserbett sehr angenehm. Sie schlief in dieser Zeit auf der Seite, so hat das Bett ein wenig das Gewicht des Bauches getragen.
  • Aber eigentlich ist Heike eine Bauchschläferin. Nachdem also das (zweite) Kind endlich auf der Welt war, schlief sie wieder auf dem Bauch. Wie jede stillende Frau weiß, regt Wärme die Milchproduktion an. Und Wasserbetten sind geheizt. Folgerichtig klagte sie schon bald über eine massiv gestiegene Milchproduktion und - natürlich - ein fieses Spannungsgefühl. Dann schlief sie erst einmal wieder auf dem Rücken.
  • Durch die Höhe des Bettkastens und der Matratze fällt das nächtliche Aufstehen (zum Stillen) viel leichter. Besonders, wenn man das Kind (danach) über der Schulter liegen hat. Da war der Weg vom Futon auf die Beine schon weiter als jetzt. Vom dicken Wasserbett dreht man sich nur leicht zur Seite, lässt die Füße auf den Boden fallen und ... steht. Das geht auch im Halbschlaf.
Für alle, die jetzt kein Wasserbett mehr haben wollen, hier sind die Alternativen:
  • Schlafen auf Sand (knirscht aber ein wenig in der Poritze)
  • Federkern (wobei nicht jeder von senkrecht stehenden, selbstinduzierenden Magnetstrahlen durchbohrt werden möchte. Man sagt, die Amerikaner bauen Anti-Terror-Waffen aus sowas.)
  • Stroh (Heidi hatte sowas - die hat aber auch im Winter unterm offenen Fenster geschlafen)
  • Latex (klingt allerdings nach Dritt-Verwertung von Autoreifen: Gut für die Umwelt und an den Geruch gewöhnt man sich schon)
  • Luft (jeder der mal auf einem aufblasbaren Gästebett geschlafen hat, kennt und liebt das lustige Sausen, wenn beim Umdrehen die Luft aus einer Kammer in die andere gedrückt wird.)
  • Matratzen von Sqornshellous (inzwischen sehr selten)
  • Futon. Ach Futon. Gott habe meine altes Futon selig. Ich hatte es nach dem Wasserbettenkauf verschenkt. Hoffentlich geht es ihm gut. Es war übrigens ein westliches Futon (das mit den Futonhäuten ist ein böses Gerücht).
Einigermaßen neutrale Foren zum Thema Betten und Rückenprobleme:
Den Betreibern dieser Foren spreche ich in jedem Fall meine Hochachtung aus. Es ist nämlich inzwischen kein Spass mehr, ein Forum zu betreiben und sich somit der ständigen Gefahr auszusetzen, Anzeigen und Abmahnung zu erhalten. In der Regel sind diese Angriffe nicht berechtigt. Geld, Zeit und Nerven kosten sie dennoch.

Zum Schluss muss ich noch den "notorischen Nörgler" erklären. Mein Händler hat versucht, mich vor Gericht (wohin ich ihn gezerrt hatte) als irregeleiteten, notorischen Querulanten und Nörgler darzustellen. Das dürfen vielleicht meine Freunde über mich sagen - es ist aber eine gefährliche Art so mit Kunden umzugehen, die eigentlich nur einen Produktmangel repariert bekommen wollten. Zum Glück hat man inzwischen als Verbraucher wenigstens in den ersten 6 Monaten das Recht (besser gesagt §476 BGB) auf seiner Seite. Es ist wichtig, diese Frist zu nutzen. Danach dreht sich die Beweislast um und das macht es richtig aufwändig, sein Recht zu bekommen! Also, bitte nicht abwimmeln lassen und im Notfall rechtzeitig klagen (ich weiß wovon ich rede). Aber auch noch 24 Monate nach dem Kauf muss sich der Händler an seine Zusagen halten (am besten schriftlich) und an die Zusagen des Herstellers (z.B. im Katalog). Das hat in unserem Fall sicherlich zur erzielten Einigung vor Gericht beigetragen.